
Bis 1921 wohnte hoch oben im
Turm der Johanniskirche ein Türmer mit seiner Familie. Er hatte von
dort einen ungehinderten Blick auf Lauf und die ganze Umgebung und
musste tags und nachts Wache halten und melden, ob Feinde nahten oder
ein Brand ausbrach. Bei Gefahr warnte er mit seinem Horn und wies
mit einer Fahne bzw. mit einer Laterne die Richtung. In der Nacht
musste er die Schläge der Stundenglocke "nachschlagen" zum Beweis, das
er noch wachte. Wegen dieser wichtigen Aufgabe für
das Gemeinwohl war er kein kirchlicher, sondern ein städtischer
Bediensteter.
Die Wohnung erstreckt sich über zwei Stockwerke mit Wohn- und Studierraum, Schlafzimmer und einer winzigen Küche. Der Herd kann allerdings aus Feuerschutzgründen nicht mehr geschürt werden. Die umlaufende Galerie in 30 m Höhe ist nur 60 cm breit. Sie wird auf der einen Seite von der Schieferverkleidung der Wohnung, auf der anderen von einem aufwändig geschmiedeten Gitter des Laufer Schlossers Jakob Leykauf von ca. 1680 begrenzt.
Neben seinen Pflichten war der Türmer auch oft der Musikus der Stadt. Morgens und abends blies er Choräle vom Turm herab - oder auch Walzer, sehr zum Leidwesen des Kirchenvorstands. Er begleitete Leichenzüge auf ihrem Weg, spielte in den Schenken auf und dirigierte die Stadtkappelle. Während dieser Zeit wachte seine Frau oder sein Geselle im Turm. Der Schutz durch den Türmer war den Laufern so wichtig, dass die ersten drei Telefone in der Stadt beim Rathaus, der Feuerwache und beim Türmer installiert wurden. Die Glocken haben alle
Kriege überstanden und wurden nicht eingeschmolzen. Die Frühglocke von 1500 ist
mit 66 cm Durchmesser die kleinste; sie läutete um 4 Uhr, wenn die Bauern in
den Stall gehen mussten. Diese und die größte mit 117 cm wurden in der Gießerei
des Stifters der Spitalkirche und des Spitals gegossen. Die jüngste Glocke mit den Wappen der Landpfleger stammt von 1712.
Der achteckige Raum direkt unter der Zwiebelhaube war nicht für den Türmer gedacht. Die barocke Deckenmalerei zeigt verschiedene Wappen, der umlaufende Fries Sonne, Mond und einige Planeten. Dieser Raum kann nicht besichtigt werden. Besichtigung von Mai bis
Oktober jeden 1. Samstag im Monat 11 bis 13 Uhr und nach tel. Anmeldung bei H. Höfel 09123 988417 oder bei G. Reuter 09123
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