abgeschlossene Aktivitäten (zurück zur Übersicht)
Restauration der Reichelschen Schleifmühle
20. April 2004

Die Pegnitz-Zeitung berichtet über die Aktionen der Altstadtfreunde in der Reichelschen Scheif:

"Großputz in der Laufer 'Schleif'"Laufer Altstadfreunde wollen Ensemble an der Wasserbrücke für Öffentlichkeit wieder herrichtenLAUF (bu) — Die Reichel'sche Schleif an der Wasserbrücke in Lauf ist von außen ein ebenso beliebtes wie idyllisches Fotomotiv. Innen jedoch war das historische Gebäude in den letzten Jahren mehr und mehr dem Verfall preisgegeben. Jetzt haben die Lauf er Altstadtfreunde die „Schleif" angemietet und eine große Aufräumaktion gestartet. In zwei Jahren soll das Ensemble in neuem Glanz erstrahlen. 

Baidur Strobel, 1. Vorsitzender der Altstadtfreunde, steht gemeinsam mit Kassier Herbert Höfel mit gekrümmtem Rücken unter den Holzbalken, die die großen Zahnräder tragen, und schaufelt den Schutt heraus. „Das ganze Erdgeschoss war voll mit Schutt und Gerumpel", schnauft er und deutet nach draußen auf einen schon gut gefüllten Abfall-Container. Zwei Tage lang haben er und andere Mitglieder sowie einige wenige Freiwillige am vergangenen Wochenende geschuftet ... und viele weitere „Arbeitsdienste" v. werden folgen.

1988 starb der letzte noch aktive Schleifer der „Reichel'schen Schleif", die erstmals 1546 als solche erwähnt wurde (1441 war bereits von zwei Mühlen die Rede). Seither lag das Gebäude brach, diente hauptsächlich als Lager. Anfang des Jahres haben die Altstadtfreunde die „Schleif" von ihrer heutigen Besitzerin für zwölf Jahre gemietet. Miete müssen sie nicht zahlen, stattdessen werden sie das Ensemble für die Öffentlichkeit herrichten und wollen die Schleiferei zumindest in kleinem Rahmen wieder funktionsfähig machen.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Unter anderem muss der Zementputz abgeschlagen, der das Mauerwerk nach und nach zerstört, und der Schleifstein ersetzt werden. Die arg mitgenommenen Holzbalken, die die Zahnräder tragen, müssen instand gesetzt und erhalten werden, so will es der Denkmalschutz. Für die Zahnräder selbst, die sowohl aus Eisen als auch aus Holz bestehen, haben die Altstadtfreunde bei den Lebenshilfe-Werkstätten neue Zähne in Auftrag gegeben. Und nicht zuletzt möchte Baidur Strobel irgendwann wieder eine Drechselbank installieren.

Doch wie wird all dies finanziert? „Die Altstadfreunde haben eben in den letzten Jahren gespart", meint Strobel schmunzelnd ... und sie investieren jede Menge Muskelkraft. Unterstützung haben sie letztes Jahr bereits von Schülern des CJT-Gymnasiums erhalten, die bei der allerersten Aufräumaktion mithalfen."

(Pegnitz-Zeitung vom 20.04.2004, PZ Lokal, S. 1)

16. Oktober 2003

Eindrücke des Lehrers zur Präsentation am Tag des offenen Denkmals am 14. September 2003Der Aufruf der Deutschen Stiftung Denkmalschutz an die Schulen, geeignete Denkmäler ausfindig zu machen und als Projekt mit Schülern am Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit zu präsentieren, klang interessant. Ein passendes Objekt hatte ich als Mitglied der Altstadtfreunde schon lange im Visier, nämlich eine bis zur Stilllegung vor zwanzig Jahren mit Wasserkraft betriebene Stahlwarenschleiferei, die "Reichelsche Schleif". Seit dem Tod des letzten Schleifers diente das auf einer kleinen Insel im Herzen Laufs gelegene Gebäude nur noch als Rumpelkammer, die Bausubstanz war offensichtlich marode. 
 
Aber mit welcher Klasse sollte ich das Projekt angehen? Meine Abiturklasse schied von vorne herein aus, Klassen mit 10- bis 12-jährigen Schülern ebenso, blieb nur noch eine 10. Klasse. Aber die überwiegende Mehrheit dieser Schüler hatte doch nur Interesse am Kartenspiel in den Pausen, in den Unterrichtsstunden demonstrierte sie "Null Bock"! Ob ich mit dieser anderen Art des Physikunterrichts die Jugendlichen erreiche? 

Tatsächlich, ein Funke sprang über, der Forschungstrieb war geweckt. Die erste hautnahe Begegnung mit dem Objekt verlief vielversprechend. Im Erdgeschoss des Gebäudes, das nur aus einem einzigen Raum besteht, herrschte Chaos: alte Bretter, ein Fahrrad, alte Farbeimer, Kabelreste, undefinierbare Metallgegenstände usw. hatten sich im Lauf der Jahre angehäuft, bis kaum an einer Stelle der Fußboden sichtbar war. Mein Vater hatte früher auch alles aufgehoben nach dem Motto: "Das kann man bestimmt irgendwann einmal noch brauchen!"
Das dick mit Staub bedeckte Sammelsurium - schreckt es meine Schülerinnen und Schüler ab? Im Gegenteil! Auch wenn sich einige wenige vornehm zurückhielten, die meisten - und allen voran einige junge Damen! - krempelten die Ärmel hoch, räumten alles Bewegliche ins Freie und machten sich mit Besen und Schaufel an die erste Grobreinigung. Die Besitzerin, mit der ich die Aktion abgesprochen hatte, brauchte nur noch mit dem Finger auf die aufgereihten Gegenstände zu zeigen und "weg damit" oder "gehört zur Schleiferei; aufheben!" zu sagen. Die gute Frau war zwar begeistert vom Elan der Schüler, aber wie ver­kraftet sie die nicht immer höfliche Art und sehr direkte Ausdrucksweise? Gott sei Dank recht gut: "Es sind halt Kinder; meine zwei waren in dem Alter auch nicht anders."
 
Bei der Erledigung verschiedener Arbeitsaufträge kamen teils unerwartete Erkenntnisse heraus. Hatte ich doch von einzelnen Schülern aus dem Unterricht eine zu gute, von anderen eine viel zu negative Meinung gebildet. Eine Schülerin, die mit ihrem permanenten Gequassel nervte, hatte die Übersetzung handschriftlicher Urkunden (in Sütterlinschrift!) binnen weniger Tage mit Hilfe ihrer Großeltern zu Papier bzw. Diskette gebracht. Ein Schüler, der mit seiner tollen Digitalkamera unsere Aktionen dokumentieren sollte, konnte die Bilder erst am Tag vor der Eröffnung liefern. Den Plan, am Tag des offenen Denkmals eine fertig gedruckte, bebilderte Dokumentation zu verkaufen, konnten wir uns abschminken. 

Was hatten wir schon erreicht? Wenig im Vergleich mit den Vorstellungen der Schüler: keine Dokumentation, nicht einmal ein Faltblatt für die Besucher, nur eine Infotafel statt deren zwei, da Forschungsergebnisse nicht rechtzeitig aufbereitet wurden. Das Wasserrad und damit die Schleifsteine in Be­wegung zu setzen war nicht möglich, aber daran waren die Schüler nicht schuld - diesen Mangel zu beheben erfordert aufwändige und kostspielige Restaurierungen.

An dem Sonntag, auf den alle Bemühungen ausgerichtet waren, war noch keine Infotafel fertig; zwei Schüler wollten sich mit mir eine halbe Stunde vor der Eröffnung treffen und die Tafel gestalten. Muss ich erwähnen, dass der eine Schüler, der die Bilder bringen sollte, eine halbe Stunde Verspätung hatte? Klappen wenigstens die Führungen durch die eingeteilten Schüler? Wir hatten keine Zeit mehr gehabt, einen Probedurchlauf zu hören! Doch da fiel mir ein Stein vom Herzen: die Vorträge waren gut strukturiert, ohne überflüssigen Ballast an Jahreszahlen, interessant und lebendig vorgetragen mit praktischen Demonstrationen am (ruhenden) Schleifstein.

"Zeitzeugen" erzählten zum Teil von ihren Eindrücken, als die Schleif' noch in Betrieb war, was die Schüler in den folgenden Vorträgen geschickt einbauten, und die Besucher klatschten zum Abschluss Beifall. Der Zustrom war über Erwarten groß, das Presseecho hervorragend - es hat sich also gelohnt. An diese Aktion werden sich die Schüler später sicher besser erinnern als an meinen Physikunterricht, aber vielleicht haben sie etwas Wichtigeres gelernt.

(Baldur Strobel, Lehrer am CJT-Gymnasium Lauf und Zweiter Vorsitzender der Altstadtfreunde Lauf)

Die Schüler haben ihre Aufgabe in beeindruckender Weise erfüllt. Jetzt werden die Altstadtfreunde Lauf die Restaurierung der Schleif weiter betreiben. Die Genehmigung des Denkmalschutzamtes hierfür liegt bereits vor. Auch an einer Möglichkeit, wie das Wasserrad und Schleifwerk wieder funktionstüchtig gemacht und in Gang gesetzt werden kann, wird bereits gearbeitet.

11. September 2003In Zusammenarbeit mit Schülern des Laufer CJT-Gymnasiums arbeiten die Altstadtfreunde Lauf an der Restauration der Reichelschen Schleifmühle.

Am 14. September, dem Tag des offenen Denkmals, wird die Öffentlichkeit erstmals Gelegenheit haben, sich ein Bild von den bisherigen Aktivitäten und den noch anstehenden Arbeiten zu machen:

"Die Reichelsche Schleif liegt im Blickfeld eines jeden Fremden, der von der Wasserbrücke aus zur Burg und zum Judenturm schaut. Sie befindet sich aber bei näherem Hinsehen in einem beklagenswerten baulichen Zustand.

In einem Projekt der Schüler des CJT-Gymnasiums wurde der Innenraum der Schleif von allem Gerümpel, das sich im Lauf der Jahre dort angesammelt hatte, befreit. Mit Einverständnis und tätiger Mithilfe der Besitzerin, Frau Hönicke, wurden unbrauchbare Dinge entsorgt und die eigentlichen Einrichtungsgegenstände bewahrt. Ein Teil der Holzdecke ist schon von der abblätternden Kalkfarbe befreit, ein Teil des losen Putzes im Innern abgeschlagen und weggefahren worden. Andere Schüler erforschten mit Hilfe von Herrn Glückert, des Stadtarchivars, die Geschichte der Schleiferei und übersetzten handgeschriebene notarielle Urkunden (mit Hilfe der Großeltern, die diese Schrift noch beherrschen).

Nahziel der Aktion war, die Schleif wieder so weit herzurichten, dass sie am Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet werden kann. Damit die Privatsphäre der Besitzerfamilie auf der restlichen Insel gewahrt bleibt, wurde der Steg, der zum Schütz des Schau-Wasserrades führt, als Zugang für Besucher ausgewählt und kindersicher gestaltet. 

Wenn am 14. September, dem Tag des offenen Denkmals der gegenwärtige Zustand gezeigt ist, haben zwar die Schüler ihre Aufgabe erfüllt, aber die Altstadtfreunde Lauf werden die Restaurierung der Schleif weiter betreiben. Die Genehmigung des Denkmalschutzamtes hierfür liegt bereits vor. 

Auf Ihr Erscheinen freuen sich die Schüler und die Altstadtfreunde Lauf. Geöffnet ist an diesem Tag von 10 Uhr bis 17 Uhr."

(Baldur Strobel)

 2003-2004 - Diese Seite ist Bestandteil der Website der Altstadtfreunde Lauf (http://www.altstadtfreunde-lauf.de/)